/> FMC09: Wandlung der Bedeutung von Musik in der Gesellschaft - christian renz // bassist - Stuttgart

04/07

2009

FMC09: Wandlung der Bedeutung von Musik in der Gesellschaft


Transcript of a sesson at Future Music Camp 2009 in Mannheim – Barcamp on Music & Web 2.0.

Session mit Benny von openpot.com dazu, was Musik heute in der Gesellschaft bedeutet, vor allem im Vergleich zu früher. Hier eine Stichpunkte zur stellenweise nicht so einfach verfolgbaren Diskussion.

  • Diskussion: Woran mach ich es fest, wenn mir Musik gefällt – achte ich auf Text, Stil, Rhythmus, Stimmung, Anderssein als andere, …
  • Benny: In den Siebzigern war Musik Leitkultur. Musiker haben Meinungen geprägt, Gedankenstrukturen vorgelegt. Früher haben Songtexte Revolutionen ausgelöst. Heute hat das stark abgenommen. Einwurf: Gangsta Rap – das hat allerdings schon in den Medien begonnen.
  • Tokio Hotel nimmt die erste echte (Protest-)Jugendkultur seit langem auf (Emos) (auch wenn die Emos das nicht so gern sehen)
  • Benny: These: Musik/Kultur war da am stärksten/erfolgreichsten, wo sie unterdrückt wurde. Beispiele: Disko aus den Anfängen der Schwulenkultur heraus. Abstrakte Kunst - hat keine Sprengkraft mehr, weil sie alles darf.
  • „Popularmusik hat nicht den Anspruch, musikalisch besonders wertvoll zu sein, sondern eine Identifikationsmöglichkeit für bestimmte Gesellschaftsgruppen zu bilden.“
  • „An der Extremität – daran, wieviel ich überhaupt noch provozieren kann – erkennt man die Dekadenz.“
  • In der Popularmusik gibt es immer weniger Tabus – sie geht den gleichen Weg wie die Avantgarde.
  • Was ist heute noch ein Tabu?
    • (erstmal Stille)
    • Anti-Beispiel: Lady Bitch Ray – ihr Auftreten war zwar extrem pornographisch (und auch marketingmäßig darauf ausgelegt), es hat aber niemand interessiert/provoziert
    • Pädophilie
    • These eines Diskussionsteilnehmers: Tabu hängt damit zusammen, was strafrechtlich verboten ist.
    • nachdem uns nix mehr einfällt, kommt aus Bennys Liste
    • Blasphemie – eigentlich nicht mehr aktuell, gesamtgesellschaftlich kein Tabu mehr
    • Inzest
    • Suizid/Amokläufe
    • exotische Sexualpraktiken
    • Kannibalismus
  • These: Tabus nehmen über die Zeit
  • Folge für die Musik: Popmusik kann nicht mehr provozieren, ohne richtig extrem zu werden. Was ist denn dann die Rolle der Musik?
  • These: Musik kann keine Identifikationsrolle mehr übernehmen
  • „Establishment“ hat Musik(stile) immer übernommen, wenn sie auf der Höhe waren – nach einer gewissen Phase, als sich die Provokation abgenutzt.
  • Gegenthese von Christoph: Massenvermarktung von Musik ist vorbei. Je älter ein Produkt wird, desto größer wird die Zielgruppensegmentierung. Musik als Massenprodukt hat genau das gleiche Problem. Heute gibt es eben keine großen Massen mehr, sondern man hat viele kleine Märkte. Trotzdem identifizieren sich die Leute mit der Musik – es gibt also noch Identifikationspotenzial.
  • Diskussion des Zusammenhangs zwischen Pop als Kunstform und Pop-Vermarktung.
  • Weitere These von Benny: Kunst/Musikkulturen haben ihren Höhepunkt, wo es technisch schwierig ist, etwas umzusetzen, wo es großen Aufwand, viele Teilnehmer braucht.
  • Die Diskussion ist verworren, aber als gemeinsamer Punkt klärt sich: Die Art, wie Musik geschehen kann und die Rolle von Musik verändert sich. Das Megastar-tum ist zu Ende. Es kann einem Musiker auch reichen, einem kleineren Fankreis bekannt zu sein, ohne Radio- und TV-Auftritte – auch davon kann man leben.
  • Insgesamt folgt die Musik der gleichen Individualisierung wie die ganze Gesellschaft – Musik scheint also eher der gesellschaftlichen Entwicklung zu folgen als andersherum.

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